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Nach 25 Jahren Bestehen ist es an der Zeit, einen Blick auf die Geschichte des Kraftsport und Bodybuildingvereins Bautzen zu werfen. Die Wurzeln des Vereins reichen in die späten 70er Jahre zurück. Eine Zeit, in der unter dem DDR- Sportsystem alle olympischen Sportarten intensiv gefördert wurden und alle nichtolympischen Sportarten ein Schattendasein fristeten. Vor allem Sportarten, welche in westlichen Ländern Wertschätzung und Publikumsinteresse erfuhren (z.B. Tennis, Golf, Bodybuilding) wurden in der DDR totgeschwiegen und nahezu verhindert. Wie in vielen anderen Trendsportarten übernahm die damalige CSSR die Vorreiterrolle im sozialistischen Wirtschaftsgebiet.

Eine Trainingsstätte musste gefunden werden

Eine tschechische Bodybuilding—Zeitschrift, gekauft von Dieter Pätzold (einem der drei Vereinsgründer), weckte das Interesse für diese Art des Kraftsports. In Gesprächen unter Kollegen fand die Idee Anklang, ein Training zu beginnen, dass zum einen die Steigerung der Körperkraft und zum anderen die optische Vervollkommnung des Körpers zum Ziel haben sollte. Um diese Idee zu realisieren, musste eine Trainingsstätte gefunden werden, die sowohl von den räumlichen Bedingungen als auch von der Ausstattung mit Trainingsgeräten Voraussetzungen für ein intensives Krafttraining bot. Zu diesem Zweck nahm Sportfreund Dieter Pätzold Verbindung mit den DTSB-Kreisverbänden von Bautzen
1985-1988 Bankdrücken Steffen Schneeberg
und den angrenzenden Kreisen auf. Das Ergebnis war zunächst sehr ernüchternd. Es gab im gesamten Bereich Ostsachsen keine im DTSB organisierte Sportgruppe oder Sektion, welche Kraftsport betrieb. Darüber hinaus war auf diesem Weg kein Hinweis auf eine geeignete Trainingsstätte zu erhalten. Durch weitere Nachforschungen konnte Sportfreund Pätzold in Erfahrung bringen, dass in Bautzen eine Sektion Gewichtheben trainierte. Daraufhin nahm Sportfreund Pätzold Kontakt mit dem damaligen Sektionsleiter, Sportfreund Manfred Hünig, auf. Die Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, dass die angehenden Kraftsportler zusammen mit den Gewichthebern und nach ihren eigenen Trainingsschwerpunkten trainieren durften.

Die erste Sportgruppe Kraftsport in Bautzen

Die Sportfreunde Dieter Pätzold, Friedemann Haase und Karl-Heinz Kotisch begannen im Mai 1979 mit dem regelmäßigen Krafttraining. Nach kurzer Zeit schlossen sich weitere interessierte Sportfreunde dem Training an. Am 01.10.1979 erhielt die Gemeinschaft, unterstützt vom damaligen Leiter der BSG Fortschritt, Peter Giebelhäuser, den Status einer allgemeinen Sportgruppe in der BSG Fortschritt Bautzen. Aufgrund des Fehlens fundierter Veröffentlichungen zur Trainingsmethodik mussten die Sportfreunde zunächst improvisieren. Aus Teilen des Gewichthebertrainings sowie aus Übersetzungen tschechischer Fachzeitschriften wurden die ersten Trainingsprogramme zusammengestellt. Die Übersetzungen konnten wiederum mit freundlicher Unterstützung des Herrn Giebelhäuser realisiert werden. Das Training bestand vorwiegend aus Grundübungen mit der Langhantel und war besonders auf die Disziplinen Bankdrücken und Kniebeugen ausgerichtet. Erweitert wurde das Programm durch Übungen, die auf die Weiterentwicklung besonders wichtiger Muskelgruppen, wie Bizeps und Latissimus, zielten. Als abzusehen war, dass sich die
Dieter Pätzold (Mitbegründer des Vereins) als Sprecher
Sportgruppe zu einer dauerhaften ambitionierten Gemeinschaft mit klaren Zielsetzungen entwickelte, erfolgte im April 1980 die Umwandlung der allgemeinen Sportgruppe in die Sektion Kraftsport der BSG Fortschritt Bautzen. Die damit verbundene Aufwertung ermöglichte sowohl eine bessere Förderung der Sportart als auch die Teilnahme an bzw. die Ausrichtung von Wettkämpfen. Zur selben Zeit entstanden erste Kontakte zum Sportfreund Siegfried Wagner, der maßgeblich am Training der ASG Vorwärts Löbau beteiligt war und der Einblick in die Struktur sowie das Wettkampfgeschehen der Kraftsportszene hatte. Auf Anregung des Sportfreundes Wagner richtete sich die Aufmerksamkeit der Sektion auf die Teilnahme an Wettkämpfen im Kraftsportdreikampf. Dieser Wettkampf bestand aus den Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und athletischem Eindruck.

Aufgrund Popularität dennoch herber Rückschlag

Einen erheblichen Rückschlag erhielt die Sektion im Jahr 1981. Offensichtlich hatte sich für einige Sportfunktionäre die Sektion zu weit entwickelt und drohte die Begeisterung, z.B. der Gewichtheber, in eine nach ihrem Ermessen falsche Richtung zu lenken. Also wurden Vorwände gesucht, die Kraftsportler wieder aus dem Trainingsraum der Gewichtheber zu entfernen. Begründet durch nicht nachvollziehbare Vorwürfe wurde der sofortige Umzug der Sektion Kraftsport in der Jahnturnhalle auf die Steinstraße angeordnet. Ohne Trainingsgeräte und in für das Krafttraining denkbar ungeeigneten Räumlichkeiten wurde die Sektion vor eine harte Bewährungsprobe gestellt. Glücklicherweise wurde bekannt, dass in Gnaschwitz trainierende Gewichtheber seit längerem den Trainingsbetrieb eingestellt hatten und eine Grundausstattung Hanteln vorhanden war, die von den Gnaschwitzer Verantwortlichen großzügigerweise der Sektion geschenkt wurden. Ständer und Bänke wurden von den Sportlern selbst aufgebaut, so dass die Grundlagen für eine Fortsetzung des Trainings geschaffen waren. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Hanteln, Ständer und Bänke noch heute im Verein ihren Dienst tun.

Ausrichtung eines ersten Wettkampfturniers und erste Erfolge

Nach der vergleichsweise kurzen Entwicklungszeit von 2 Jahren richtete die Sektion im April 1982 erstmals ein großes Männerturnier in Kraftsport und Bodybuilding aus. Das 4. Saxonia- Turnier war gleichzeitig die 1. Kraftsportveranstaltung, die je in Bautzen stattgefunden hatte. Das 1. Turnier war durch
Wettkämpfer Detlef Plesdonath beim Training
die Sportfreunde der Sektion Kraftsport perfekt vorbereitet und durchgeführt worden und legte damit den Grundstein für den guten Namen Bautzens als Veranstaltungsort. Das Turnier selbst setzte wiederum wichtige Impulse für die sportliche Weiterentwicklung der Sektion. Animiert durch den organisatorischen Erfolg sowie den sportlichen Ehrgeiz der Sektionsmitglieder entstand das Projekt, eine leistungsfähige Männermannschaft zu bilden. Zuvor hatten schon im November 1981 die Sportfreunde Dieter Pätzold und Harry Rothe als Einzelstarter an den Bezirksmeisterschaften im Kraftdreikampf teilgenommen. Darüber hinaus gab es am 27.03.1982 eine Wettkampfteilnahme zusammen mit Löbauer Athleten unter dem Namen Wettkampfgemeinschaft Ostsachsen. Dass die Sektion Kraftsport über ein hervorragendes Potential verfügte, bewies der erste Auftritt der Männermannschaft unter dem Namen BSG Fortschritt Bautzen. Bei der erstmaligen Beteiligung einer reinen Fortschritt - Mannschaft bei einem Verbandswettkampf gelang der Einstieg in die Liga Süd mit, gemessen an den Bedingungen, sehr guten Ergebnissen. Damit hatte die regelmäßige Wettkampfteilnahme pflichtenden Charakter. Der damalige Sektionsleiter Rainer Mitschke, der die Sektion und später den Verein über 13 Jahre verantwortlich geführt hat, legte großen Wert auf die Absicherung der Wettkampfteilnahme sowie die Vorbereitung und Durchführung möglichst perfekter Wettkämpfe.

Erste Frauenkraftsportgruppe in Bautzen

Eine wesentliche Bereicherung der Sektion stellte im Januar 1984 die Gründung der Frauen-Kraftsportgruppe dar. Die Gründung der Frauengruppe resultierte aus zwei Überlegungen. Im Kraftsport ist es, wie in allen Sportarten, ein intensives und zeitaufwendiges Training nötig, um ein hohes Leistungsniveau zu erreichen. Die überwiegende Mehrzahl der Sportler war auf die Bereitschaft ihrer Partnerinnen angewiesen, Abstriche im Privatleben auf sich zu nehmen. Wenn es gelang, die Frauen der Sportler mit einzubeziehen, würde es leichter sein, das notwendige Verständnis für den Sport zu
1. Frauensportgruppe während einer Trainingspause
wecken. Darüber hinaus gab es auch zu dieser Zeit schon Wettkämpfe im Frauenbereich, an denen man sich in der Perspektive beteiligen wollte. Dass die Existenz der Frauengruppe späterhin wesentlich zur Entwicklung eines regen Vereinslebens beitragen sollte, war eine sehr angenehme Nebenerscheinung.

Junge Athleten und die erste Männermannschaft

Auch im Juniorenbereich gab es Bestrebungen, sich im Wettkampfgeschehen zu etablieren. Die Grundlage dafür bildete eine für den Titel "Stärkster Lehrling" startende Mannschaft des damaligen Landwirtschafts-Instandsetzungwerkes Bautzen, die vom Sportfreund Mitschke entdeckt und angeworben worden war. Die Wettkampfpremiere für die Junioren bildete ein von der Sektion ausgerichtetes Turnier, das im April 1984 stattfand und an dem die besten Nachwuchsmannschaften der DDR teilnahmen. Dass im Juniorenbereich eine ausgezeichnete Arbeit geleistet worden war, bestätigte sich im Jahr 1985 als sich die Juniorenmannschaft zur Teilnahme an der DDR-Meisterschaft qualifizierte und dort einen ausgezeichneten 3. Platz in der Mannschaftswertung belegen konnte. Die aus den Sportfreunden Roy Berndt, Jörg Schroth und Andreas Strauch bestehende Mannschaft wurde aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit im Bedarfsfall auch im Männerbereich eingesetzt. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass der Sportfreund Roy Berndt beim Einzelturnier in Wurzen DDR-Vizemeister werden konnte. Der 1. Männermannschaft gelang es, in dieser Zeit sich mit guten Leistungen im Vorderfeld der Liga Süd zu etablieren. Aufgrund der wachsenden Zahl leistungsfähiger Sektionsmitglieder war es inzwischen möglich geworden, eine 2. Männermannschaft zu bilden, welche ebenfalls am Wettkampfgeschehen teilnahm. Allerdings startete die 2. Mannschaft in der Bezirksliga, also eine Klasse unter der 1. Mannschaft. Unter den Leistungsträgern besonders hervorzuheben sind die Sportfreunde Bernd Kießlich, Detlef Plesdonath, Roy Berndt, Joachim Jahnke, Steffen Schneeberg, Hartmut Biele und Harry Rothe, der später zur TU Dresden wechselte. Die Erfahrungen, welche Sportfreund Rothe in der Kraftsport-Hochburg TU Dresden sammelte, setzten weitere wichtige Impulse für eine Verbesserung der Trainingsmethodik. In der Folgezeit richtete die Sektion noch weitere Wettkämpfe im Kraftsport bzw. in Bodybuilding aus. Stellvertretend seien hier genannt die Bezirksmeisterschaften im Kraftsport-Zweikampf, bei der die Bautzener den 2. Platz belegen konnten sowie ein DDR-weites Kulturistik-Turnier für Neulinge und Erststarter.

Bodybuilding und Kulturistik

Die in der damaligen DDR ausgetragenen Kulturistik-Turniere waren mit dem heute bekannten Bodybuilding vergleichbar. Die Geschichte der erfolgreich bestrittenen Kraftsportwettbewerbe setzte sich nahtlos mit wechselnden Teilnehmern in den Mannschaften bis in das Jahr 1989 fort. Im März 1989 fand in Magdeburg die letzte DDR-Meisterschaft in Bodybuilding der Frauen statt. Die Sportfreundin Gudrun
1. Männermannschaft während eines Wettkampfes
Barthen nahm sehr gut vorbereitet und in ausgezeichneter Form an diesem Wettkampf teil und konnte sich in einem zahlreich besetzten und hochklassigem Starterfeld behaupten. Sie war damit die erste Kraftsportlerin aus Bautzen, die an einem Wettkampf teilnahm. Die politische Wende in der DDR hatte, wie in allen Bereichen auch im Sport, massive Veränderungen zur Folge. In allen Belangen von den Wettkampfdisziplinen bis zu den Trainingsbedingungen war eine Neuorientierung erforderlich. Mit der Öffnung gewann das Bodybuilding schlagartig an Bedeutung. Vor allem die jungen Athleten konzentrierten sich überwiegend im Training auf das Bodybuilding. Im reinen Kraftsport wurde zum Bankdrücken und Kniebeugen das Kreuzheben als dritte Disziplin hinzugenommen. Das Kreuzheben wurde von den Sportlern mit Skepsis aufgenommen, da in dieser Übung eine erhebliche gesundheitliche Gefährdung gesehen wurde. Darüber hinaus galt es für jeden Sportler wesentlich differenziertere persönliche Probleme zu bewältigen, was Auswirkungen auf die zum Training zur Verfügung stehende Zeit hatte.

Trainingsstätte am Schützenplatz

Im Zuge der Neuordnung der Nutzung der Sportstätten sowie deren Sanierung wurde der bisherige Trainingsraum in der Jahnturnhalle dem Budissa e.V. zur Nutzung zugewiesen. Daraus ergab sich, dass innerhalb kurzer Zeit eine neue Trainingsstätte geschaffen werden musste. Von der Stadt Bautzen wurde ein Raum in der Sporthalle am Schützenplatz zur Verfügung gestellt, der allerdings für das umfassende Krafttraining von der Ausstattung her noch wenig Voraussetzungen bot. Hier war die Initiative der Vereinsmitglieder gefragt. In vielen Arbeitsstunden wurde der Trainingsraum renoviert und die bereits in der alten Trainingsstätte vorhandenen Geräte angebracht. Beim Bau der Geräte, welche schon in der Jahnturnhalle ausgiebig durch die Vereinsmitglieder genutzt wurden, bewiesen vor Allem die Sportfreunde Norbert Rössel und Andreas Böhme viel Ideenreichtum. Aus Angebots- und Finanzgründen war neben dem Bau von Geräten auch die gelegentliche Renovierung der verschiedenen
Posing Harry Rothe - Der lebende Kran
Trainingsstätten für viele Vereinsmitglieder eine Selbstverständlichkeit. Zur Ausrüstung für den neuen Trainingsraum in der Sporthalle "Am Schützenplatz" kamen noch die Hantelsätze, die nach der Auflösung der Gewichthebersektion der RFT Bautzen ungenutzt blieben und vom damaligen Sektionsleiter Erich Schwarzbach den Kraftsportlern der BSU Fortschritt übereignet worden waren. Während in der Wendezeit die Gewichtheber aus Mitglieder- und Nachwuchsmangel den Trainingsbetrieb einstellen mussten, hatte die Sektion Kraftsport nach wie vor Zulauf und beste Bedingungen, als aktiver Sportverein Bestand und Zukunft zu haben. Unter Beisein des Oberbürgermeisters der Stadt Bautzen, der bei diesem Anlass Ehrenmitglied des Vereins wurde, konnte im März 1993 der neu eingerichtete Trainingsraum in Betrieb genommen werden. Aufgrund der Wettkampfabstinenz in den ersten Jahren nach der Wende wurde das Training individueller. Die Orientierung vieler Kraftsportler richtete sich besonders auf das optisch attraktive Bodybuilding, das vor allem beim Nachwuchs großen Anklang fand.

Anerkannte Übungsleiter im Verein

Durch die Ausbildung von Sportfreund Rainer Mitschke zum Übungsleiter sowie die Erlangung der Trainer-B- Lizenz durch die Sportfreunde Udo Grums und Mario Kühn war eine gute Basis geschaffen, nach modernsten Erkenntnisse zu trainieren. Die nun reichlich angebotenen Zeitschriften der großen Bodybuildingorganisationen IFBB und NABBA unterstützen besonders den Trend zum Bodybuilding. In dieser Richtung wurde von einigen Sportfreunden so intensiv trainiert, dass nach relativ kurzer Zeit sichtbare Erfolge zu verzeichnen waren und erste Überbelegungen zu einer Teilnahme an Meisterschaften aufkamen. Der Sportfreund Oliver Frankehatte als erstes Vereinsmitglied eine Form aufgebaut, die es rechtfertigte, im Juniorenbereich den Schritt auf die Bodybuildingbühne zu wagen. Unterstützt durch seinen Trainer Udo Grums, der mit großem Sachverstand und individuellem Einsatzdie Herausbildung Oliver Frankes zum konkurrenzfähigen Bodybuilder ermöglichte, gelang es ihm, eine Wettkampfsaison mit guten Platzierungen durchzustehen. Stellvertretend seien hier genannt der 2. Platz beim "Schwabenpokal", der 2. Platz beim "Internationalen Großen Preis von Sachsen" und der 2. Platz bei der "Newcomer und Sachsenmeisterschaft". Die letztgenannte Veranstaltung hatte für den Verein auch in anderer Hinsicht eine besondere Bedeutung. Der Sportfreund Rainer Mitschke bekam am 06.11.1995 vom ehemaligen Bodybuildingweltmeister Peter Hensel die Urkunde der Mitgliedschaft in der internationalen Bodybuildingorganisation IFBB überreicht. Die Mitgliedschaft in dieser Organisation erschien notwendig, um ein Startrecht bei gut besetzten Meisterschaften zu haben. Im Jahr 1994 nahm Sportfreund Matthias Birke, ein
Bernd Kießling - Kniebeuge mit 185,0 kg
weiteres Vereinsmitglied, Anlauf auf eine Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft. Mit dem 2. Platz bei der Sachsenmeisterschaft in Werdau gelang die Qualifikation. Leider war Sportfreund Birke beim Kampf um die Spitzenplätze bei der Deutschen Meisterschaft chancenlos. Im Männerbereich war für den Verein nichts zu reißen, da es einfach an Athleten fehlte, die jahrelang gezielt und ausschließlich Bodybuilding betrieben.

Motivieren ist nicht einfach

Die Anfangseuphorie der jungen Athleten legte sich auch etwas, als zu erkennen war, dass sich die anfangs rasante Entwicklung des Körpers trotz hoher Trainingsintensität immer mehr verlangsamte. Das und einige andere Gründe führten dazu, dass der Verein einige hoffnungsvolle Athleten verlor, die durchaus einen erfolgreichen Weg vor sich gehabt hätten. Dieser Verlust wird sich für den Verein langfristig in Form von Defiziten im Männerbereich beim Bodybuilding auswirken. Eine ähnliche Entwicklung vollzog und vollzieht sich auch bei den im Verein trainierenden Frauen. Während der weibliche Nachwuchs nicht in der Lage zu sein scheint, sich dauerhaft zu motivieren, sind die Frauen, die schon längere Zeit im Verein trainieren, sehr durch berufliche und persönliche Probleme gebunden. Es wird eine Aufgabe für die Zukunft sein, in allen Bereichen wieder eine leistungsorientierte Atmosphäre zu schaffen. Für das Vereinsleben bedeutete die Zeit mit etwas spärlicher ausfallenden sportlichen Ergebnissen allerdings eher einen Aufschwung. Aus den Anregungen einiger aktiver Vereinsmitglieder heraus entwickelte sich eine Vielzahl geselliger Aktivitäten. Nur stellvertretend dafür seien genannt Jahresabschlussfeiern, Jahreswechsel-Nachpartys am 1. Januar, die legendären Kellerpartys bei Sportfreund Marco Kalauch, eine
Oliver Franke während eines Bodybuilding Wettkampftes
Wanderfahrt in das Isergebirge und Silvesterferien unter Beteiligung eines Großteils der Vereinsmitglieder. Diese und andere Veranstaltungen trugen wesentlich dazu bei, einen festen Zusammenhalt im Verein zu bewahren und Verständnis für die Probleme des Anderen zu entwickeln. Darüber hinaus war und ist es eine Selbstverständlichkeit, Sportfreunden beim Wohnungswechsel und ähnlichen Problemen zu helfen. Aus diesem Klima heraus kamen natürlich auch immer wieder die sportlichen Belange ins Gespräch. Die Stagnation im Bodybuilding gab ernsten Anlass über Sinn und Fortbestand des Vereins nachzudenken.

Neue Ziele sind gesteckt

Die Suche nach realisierbaren Zielen führte nach und nach zu der Erkenntnis, dass es für die sportliche Entwicklung wichtig ist, sich wieder mehr auf das Bankdrücken sowie den Kraftdreikampf zu konzentrieren. Maßstäbe setzte der Sportfreund Karsten Schulz, der im Oktober 1994 den Landesmeistertitel bei den Junioren erkämpfen konnte. Damit war nach jahrelanger Wettkampfpause ein erster Schritt getan, Bautzener Kraftsportler wieder ins Gespräch zu bringen. Mit einigem Optimismus im Rücken beging der Verein am 19. November 1994 mit einer großen Veranstaltung seinen 15. Gründungstag. Gestaltet von Vereinsmitgliedern und hochklassigen Gästen, stellvertretend sei hier der damalige Bodybuilding-Junior Stephan Hilpert genannt. Bereits 1 Monat nach dieser Veranstaltung konnte Stephan den Weltmeistertitel im Bodybuilding der Junioren erringen. Aber auch alle anderen Akteure lieferten in den Bereichen Bodybuilding und Artistik Spitzenleistungen ab. Somit wurde das Showprogramm zu einem Höhepunkt, der in seiner Qualität wohl für lange Zeit unerreichbar bleiben dürfte. Zu diesem Anlass übergab Sportfreund Rainer Mitschke, der sich durch seine beharrliche Arbeit besonders um das Wiederaufleben des Wettkampfsports verdient gemacht hatte, die Führung des Vereins dem Sportfreund Marco Kalauch. Sportfreund Kalauch hatte sich durch engagierte und zuverlässige Arbeit im Vorstand für diese Aufgaben empfohlen und erhielt bei den Vorstandswahlen das Vertrauen der Vereinsmitglieder.

Im April
Posing Gudrun Barthe
1995 sorgte Sportfreund Karsten Schulz für einen weiteren Erfolg, indem er bei den Landesmeisterschaften im Kraftdreikampf bei den Junioren den Meistertitel erringen konnte. Im Oktober 1995 trat erstmals wieder eine Mannschaft bei den Landesmeisterschaften im Bankdrücken an, die im Junioren-, Aktiven- und Seniorenbereich vertreten war. Mit zwei Vizemeistern durch Karsten Schulz und Rainer Mitschke sowie respektablen Ergebnissen von Marco Kalauch und Joachim Jahnke wurde der Nachweis erbracht, dass der Verein in der Lage ist, leistungsfähige Athleten an den Start zu bringen. Karsten Schulz, der sich für die Deutschen Meisterschaften im Kraftdreikampf qualifiziert hatte, konnte dort in einem hochklassigen Starterfeld einen ausgezeichneten 5. Platz belegen. Ein erstaunlicher Erfolg gelang ihm schon 2 Wochen später. als er nahezu ohne Vorbereitung bei den Landesmeisterschaften in der Klasse Junioren 1 den Titel erringen konnte.

Damit waren auch für andere junge Athleten Zeichen gesetzt, die später dazuführen sollten, dass das Bankdrücken und der Kraftdreikampf wieder einen hohen Stellenwert bekommt. Auf junge Athleten musste gesetzt werden, um eine dauerhafte Wettkampfpräsenz zu erreichen, besonders da einige gestandene Sportler von Wettkämpfen aus Verletzungsgründen Abstand nehmen mussten. Die aus dieser Situation entstandene Wettkampfpause war allerdings unter dem positiven Aspekt zu sehen, dass sich einige Athleten konzentriert und zielgerichtet auf künftige Wettkämpfe vorbereiteten. Auch gab es Bestrebungen regelmäßig Wettkämpfe innerhalb des Vereins durchzuführen, die sich vor allem fördernd auf die Trainingsmotivation auswirkten. Der erste dieser Vereinswettkämpfe fand im Vorfeld der Feier zum 15jährigen Bestehen des Vereins statt und fand das Interesse der Vereinsmitglieder. In der darauf folgenden Zeit fanden noch mehrere derartige Wettkämpfe statt und es besteht berechtigte Hoffnung, dass sich diese Wettkämpfe zu einer festen Tradition etablieren. Im Herbst 1997 hatte der Verein eine erneute Bewährungsprobe zu bestehen.

Neugestaltung des Kraftraumes

Im Zuge der Umgestaltung und Sanierung der Sporthalle am Schützenplatz war für längere Zeit ein Training im Kraftraum des Vereins nicht möglich. Auf Initiative der Sportfreundin Silke Kopke konnte ein provisorisches Trainingsdomizil gefunden werden. Die Sportfreunde Marco Kalauch, Udo Grums, Mario Kühn, Steffen Nowack und
Trainingsraum "am Schützenplatz" nach der Renovierung
viele andere Vereinsmitglieder sorgten durch intensive Arbeit dafür, dass der Trainingsbetrieb nahezu ohne Pause weiterlaufen konnte.Darüber hinaus wurde schon über eine funktionelle Umgestaltung des Kraftraums nachgedacht, die sowohl die Auswahl der Trainingsplätze als auch die Vielfalt der Trainingsmöglichkeiten erweitern sollte. Bei der Kalkulation der zu erwartenden Kosten für die Renovierung des Kraftraumes und die Instandsetzung der Geräte erwies sich der finanzielle Spielraum für die notwendige Anschaffung neuer Geräte als sehr gering. Die Sportfreunde Marco Kalauch, Udo Grums, Silke Kopke, Steffen Nowack und Hagen Neumann stellten deshalb dem Verein einen zinslosen Privatkredit zur Verfügung, der ermöglichte, den Kraftraum funktionell zweckmäßig und hohen Ansprüchen genügend, auszustatten. Im September 1998 konnte schließlich nach angestrengter Arbeit vieler Vereinsmitglieder der Kraftraum zum Trainingsbetrieb freigegeben werden. Inzwischen bereiteten sich einige Athleten konzentriert auf den Wiedereinstieg in das Wettkampfgeschehen vor.

Der Aufschwung hat begonnen

Im April 1999 starteten die Sportfreunde Stephan Richter, Toralf Haaser und Tilo Petschel bei der Sachsenmeisterschaft der Aktiven in Riesa und konnten in einem hochklassig besetzten Starterfeld sehr gute Ergebnisse erzielen. Auch im Vorstand sollte durch eine differenzierte Zuordnung der Aufgaben- und Verantwortungsbereiche eine wirksamere Unterstützung der Aktiven beim Training und bei Wettkämpfen organisiert werden. Eine Bestätigung der zukunftsgerichteten Arbeit stellte der Auftritt der Sportfreunde Marco Kalauch, Karsten Schulz, Steffen Beuther, Christian Bader und Tilo Petschel bei der Sachsenmeisterschaft im Bankdrücken im Oktober 1999 dar. Mit dem Vizemeister durch Carsten Schulz und sehr guten persönlichen Ergebnissen der anderen Starter konnte der Verein auch in der Breite eine wieder erstarkte Präsenz in der Wettkampfszene nachweisen. Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, dass der Kraftsport und Bodybuildingverein Bautzen auch in der Zukunft eine stabile und erfolgreiche Entwicklung nimmt und dabei seine Aufgabe, eine persönlichkeits- und leistungsfördernde Gemeinschaft Gleichgesinnter zu sein, wahrnehmen kann.